Almut Klotz ist tot – Scheiße!

Almut Klotz (2005)

(Photo: Martin Bartholmy – Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)
(Photo beschnitten und s/w coloriert)

Warum sterben die Guten immer so früh? Jetzt hat es Almut Klotz erwischt.

Almut Klotz begründete am Ende der 1980er Jahre in Berlin zusammen mit Christiane Rösinger und Funny van Dannen die legendären Lassie Singers. Die Lassie Singers sangen über schlussmachende Freunde, über unglückliche Mädchen, über scheiternde Lieben, über nervende Pärchen und ganz viel über Traurigkeit. Und das alles mit einer heiteren Melancholie, die einzigartig war in der deutschen Musiklandschaft der 1990er Jahre.

Obwohl die Lassie Singers fast ausschließlich über private Befindlichkeiten sangen, so waren sie doch eine politische Band, weil sie sich der nationalen Euphorie im ersten Jahrzehnt des wiedervereingten Deutschlands verweigerten und damit, obwohl sie in Berlin zuhause waren, zu Recht zur Hamburger Schule gezählt wurden. Und dazu kam, dass die Lassie Singers gegen patriarchale Geschlechterverhältnisse ansangen – mit einem sarkastischem Witz.

Nach dem Ende der Lassie Singers 1998 gründete Almut Klotz gemeinsam mit der Spex-Redakteurin Sandra Grether Parole Trixi, die bis heute einzige nennenswerte Riot-Grrrl-Band in Deutschland. Zur gleichen Zeit betrieb sie zusammen mit Christiane Rösinger das feministische Label Flittchen Records, auf dem auch Rösingers Band Britta verlegt wurde und natürlich auch der Popchor Berlin mit seiner Chorleiterin Almut Klotz.

Seit Mitte der 2000er Jahre trat Almut Klotz mit Reverend Dabeler als Popduo auf und die beiden veröffentlichten 2007 das abwechslungsreiche und von der Öffentlichkeit leider nicht wahrgenommene Album „Menschen an sich“. Auch einen Roman und einen Erzählungsband publizierten Klotz und Dabeler, die auch privat ein Paar waren und vor kurzem noch heirateten.

Letzten Freitag ist Almut Klotz gestorben: Krebs. Die Veröffentlichung des zweiten Albums von Klotz und Dabeler am kommenden Freitag erlebt sie nicht mehr. „Lass die Lady rein“ heißt das Werk. Wir zitieren hierzu Sandra Grether und Kerstin Grether:

„Almut Klotz‘ neues Album ‚Lass die Lady rein‘, dass am 23.8. erscheint, und dessen Erscheinen sie nicht mehr miterlebt, sollt ihr bitte alle anhören und kaufen. Es sind sehr schöne Lieder drauf. Sie hat diese besondere, untröstlich machende Melange aus Tiefe, Leichtigkeit, Poesie und direkter Ansprache. Diese Frau hatte es einfach drauf, große Songs zu schreiben.“

(aus dem Nachruf von Sandra Grether und Kerstin Grether auf der Facebook-Seite der Band Doctorella)

Das offizielle 2007er Musikvideo: „Menschen an sich“ von Almut Klotz und Reverend Dabeler (Eingebettetes YouTube-Video)

Der Song „Wann kommst du?“ von Almut Klotz und Reverend Dabeler aus dem aktuellen Album „Lass die Lady rein“ (Eingebettetes SoundCloud-Audio)

Siehe auch:
Sie war so stark (Nachruf in der taz)
Lass die Lady rein (Nachruf in der Berliner Zeitung)
Warum nette Mädchen niemals glücklich werden (Nachruf auf Spiegel Online)
Ins Licht gegangen – Almut Klotz (Nachruf im Blog Lie in the Sound)
Besprechung des neuen Albums im Blog Lie in the Sound
„Sauber ist verlogen“ (Interview mit Almut Klotz und Reverend Dabeler in der taz)

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4 Kommentare zu Almut Klotz ist tot – Scheiße!

  1. Roger Weil schreibt:

    Mittlerweile sind noch zwei lesenswerte Nachrufe zu Almut Klotz im Freitag und in der Jungen Welt erschienen.

  2. Andrea schreibt:

    Danke – jetzt weiß ich endlich, wen Wolfgang Herrndorf mit „Almut“ gemeint hat. Das Wort war sein letzter Eintrag in seinem Blog „Arbeit und Struktur“, bevor er sich erschoss.

  3. Mathias schreibt:

    Selbstmord löst nicht das Problem.

  4. bea schreibt:

    Männer sind nicht stubenrein.

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