Na also, geht doch!

Jakob Augstein wendet sich vom Antisemitismus ab

Jakob Augstein (2010)

Jakob Augstein (Photo: Thomas Rodenbücher (xtranews.de) – Lizenz: CC BY 2.0)

Wenn zu den antisemitischen Ausschreitungen auf diversen „Friedensdemonstrationen“ in den letzten zwei Wochen sich jetzt der Freitag-Herausgeber Jakob Augstein zu Wort meldet, dann ist man auf das Schlimmste gefasst. Schließlich wurde Augstein vor anderthalb Jahren vom Simon Wiesenthal Center auf die Liste der größten antisemitischen/antiisraelischen Verleumdungen gesetzt (siehe hierzu den Blogartikel Ist Jakob Augstein ein Antisemit?)

Wahrscheinlich wird Jakob Augstein in seinen neuesten Einlassungen den Antisemitismus auf Deutschlands Straßen in den Kontext einer aggressiven israelischen Politik stellen und Verständnis äußern für die geknechteten und daher wütenden Migrantenkinder mit ihren nicht antisemitischen, sondern lediglich antiisraelischen Parolen. Überraschenderweise tut Augstein das aber nicht. In seinem Kommentar „Der Antisemitismus traut sich ins Offene. Wir müssen alle reagieren“ (der Freitag, 24. Juli 2014, S.1) lässt er keine Entschuldigung für die antisemitischen Ausschreitungen gelten. Augstein schreibt:

„Auf den antiisraelischen Demonstrationen geben die Leute vor, im Namen des palästinensischen Volkes zu sprechen. Aber wievielen unter ihnen geht es um Palästina? Und wie vielen darum ihrem Hass auf Israel und die Juden eine Rechtfertigung zu geben? […] Und säße eine Mutter Theresa an der Stelle von Regierungschef Benjamin Netanjahu, die Antisemiten würden nicht aufhören Israel und die Juden zu hassen. Der Krieg in Gaza hat den Antisemitismus, den wir jetzt sehen, nicht erzeugt. […] Es gibt [über die Lage im Nahen Osten] viel zu streiten. Aber nicht mit den Antisemiten. Die muss man bekämpfen.“

Das Simon Wiesenthal Center hat Recht getan, Jakob Augstein auf seine Antisemitenliste zu setzen. Das hat den Freitag-Herausgeber anscheinend nachdenklich gemacht und herausgefordert, es der Welt zu zeigen, dass er, Jakob Augstein, doch kein Antisemit ist. Augsteins Kommentar zum aktuellen Antisemitismus ist anständig und klug. Antisemitismus scheint heilbar zu sein.

Siehe auch:
Rotlackierte Nazis
Ist Franziska Augstein eine Antisemitin?

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Ein Kommentar zu Na also, geht doch!

  1. Gerhart Freiser schreibt:

    Seit Jahrzehnten immerwieder der gleiche Film. Gewalt wird mit noch groesserer Gewalt beantwortet. Aus dieser Spirale muss man doch irgendwie herauskommen. Gerade heute habe ich ein Posting eines 10jaehrigen Maedchens gesehen – ich bin 10 Jahre alt und habe schon drei Kriege erlebt und ich habe genug vorm Krieg. Israelische Kinder werden das auch so empfinden. Es gibt Alternativen zum Krieg und das hat rein gar nichts mit Antisemitismus oder Antiisrealismus zu tun.

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