Kampf um den Arbeitsplatz

Der Kriminalroman „Der Freisteller“ von Donald Westlake

„Ich habe noch nie jemanden getötet, einen Menschen umgebracht, ein Leben ausgelöscht.“ Mit diesem Satz beginnt Westlakes außergewöhnlicher Roman „Der Freisteller“. Der das sagt, ist der Produktmanager Burke Devore, der seinen Arbeitsplatz verloren hat und nun glaubt töten zu müssen.

Burke Devore ist verzweifelt. Er schreibt seit fast einem Jahr erfolglos Bewerbungen und muss immer wieder erfahren, dass Mitbewerber ihm vorgezogen werden. Nun droht seine staatliche Arbeitslosenunterstützung auszulaufen und ihm ein weiterer sozialer Absturz. Zufällig erfährt er aber von einer demnächst frei werdenden Stelle, die genau seinem Profil entspricht. Durch eine fingierte Stellenanzeige findet Burke Devore heraus, wer ihm seinen künftigen Arbeitsplatz streitig machen könnte. Dann sucht er diese Konkurrenten auf und tötet sie.

Westlake erzählt seine Geschichte durchgehend in Ich-Form aus der Perspektive des mehrfachen Mörders Burke Devore, lässt den Leser teilhaben an seinen Ängsten und Hoffnungen, lässt den Leser ihn verstehen und sogar etwas Sympathie für ihn entwickeln. Der Leser beginnt mit Burke Devore mitzufiebern, dass auch ja sein nächster Mord gelingt und die Polizei, die ihm bereits auf den Fersen ist, ihn nicht zu fassen bekommt. Das ganze wird in einer trockenen Sprache und mit einer kleinen Dosis an wirklich schwarzem Humor erzählt.

Westlakes Protagonist Burke Devore ist ein zynischer Held in einer zynischen Welt. Westlakes Roman ist aber beileibe kein zynisches Machwerk, sondern ein hoch moralisches Meisterwerk.


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