Am Niveau gespart

„Der Sparkommissar“ am Theater Oberhausen

Ach, was wollten wir das Theater Oberhausen loben. Dafür, dass sich dieses eher mittelgroße Stadttheater in den letzten Jahren, seit dem Intendanz-Antritt von Peter Carp im Jahr 2008, zur herausragenden Bühne des Ruhrgebiets entwickelt hat. Wir wollten die aufregenden Inszenierungen der letzten Jahre preisen: das spannende Gegenwartstheater von Peter Carp, die grell-komischen Tragödien des Regiestars Herbert Fritsch, die eigenwilligen Klassiker-Interpretationen des jungen Sarantos Zervoulakos, die hinreißenden Rock-Shows des Musikers Otto Beatus.

Theater Oberhausen

Theater Oberhausen (Photo: Roger Weil – Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Wir wollten die Spielfreude des Oberhausener Ensembles bejubeln. Für Elisabeth Kopp, Jürgen Sarkiss, Anja Schweitzer, Henry Meyer und all die anderen wunderbaren Schauspieler wollten wir Hymnen schreiben. Die Eröffnung der neuen Spielzeit mit dem Stück „Der Sparkommissar“ (Regie: Peter Carp) sollte uns dazu als Anlass dienen.

Die Vorfreude auf dieses Stück war groß. „Der Sparkomissar“, die deutsche Uraufführung des „Government Inspectors“ von Roddy Doyle, der damit wiederum den Gogolschen „Revisor“ ins Irische übertragen hat, wurde als Kommentar zur Finanzkrise der Stadt Oberhausen angekündigt. Eine zugespitzte Version der russischen Satire aus dem 19. Jahrhundert war zu erwarten. – Und dann das: Peter Carp inszeniert das Stück als Boulevard-Klamotte.

Das Stück spielt in der Verwaltung einer russischen Bergbaustadt in den 1960er Jahren, die offenkundig unfähigen Verwaltungsleiter der Stadt haben Angst vor einem Inspizienten der Zentralregierung, dem Sparkommissar, der in dem Städtchen nach dem Rechten schauen soll. Die städtischen Politiker verwechseln einen mittellosen Herumtreiber, der sich in der Stadt auf Durchreise befindet, mit dem gefürchteten Sparkommissar und begegnen ihm mit dem Einzigen, mit dem sie sich auskennen, sie überhäufen ihn mit Geldgeschenken, um ihn gnädig zu stimmen – der Bürgermeister vermählt noch dazu seine Tochter mit dem angeblichen Sparkommissar. Am Schluss kommt der große Irrtum der korrupten Kommunalpolitiker heraus, als der falsche Sparkommissar schon über alle Berge ist und dann zum großen Entsetzen aller nun der echte Sparkommissar tatsächlich im Anzug ist.

Das ist schon die ganze Handlung, aus der man aber durchaus etwas machen könnte, eine politische Parabel zum Beispiel. Peter Carp gelingt dieses allerdings nicht. Er verharrt im Boulevardesken, lässt seine Schauspieler auf der Bühne zu Easy-Listening-Sounds von Bert Kaempfert komische Verrenkungen machen, auch mal stolpern und hinfallen, und lässt sie alberne Texte aufsagen, die aus dem Millowitsch-Theater stammen könnten. Alle Darsteller sind gezwungen, sich weit unter ihrem eigentlichen Können zu präsentieren. Und von einem Kommentar zur Oberhausener Finanzkrise gibt es auch keine Spur. Was für eine Enttäuschung.

Aber auch ein Champions-League-Sieger kann mal ein schwaches Spiel machen, seinen Ruhm wird es nicht mindern. Peter Carp wird auch wieder bessere Stücke inzenieren. Der gute Ruf, den sich das Theater Oberhausen unter seiner Intendanz erspielt hat, dieser gute Ruf wird durch den einen Missgriff nun wirklich nicht beschädigt.

„Der Sparkommissar“ wird gespielt am 07.11., 18.11. und 20.12.2012
am Theater Oberhausen, Will-Quadflieg-Platz 1, 46045 Oberhausen.

Der offizielle Trailer (Eingebettetes YouTube-Video)


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