Demokrat in der Bundeswehr

Verteidigungsminister Rühe präsentiert einen 23jährigen Gefreiten. / „Rechtsextremistische Einzelfälle nicht repräsentativ“

Bonn. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Entdeckung von Demokraten in der Bundeswehr konnte einen ersten Erfolg verbuchen. In der Hermann-Göring-Kaserne im bayrischen Ingolstadt wurde der 23jährige Timo Kummer aufgespürt. Bundesverteidigungsminister Volker Rühe präsentierte den aus dem hessischen Bürstadt stammenden Gefreiten im Beisein seines Kasernenkommandanten Oberst Claus von Hart gestern in der Bundespressekonferenz der Öffentlichkeit.

Verteidigungsminister Rühe bezeichnete den jungen Gefreiten als ein herausragendes Beispiel dafür, dass Soldat und Demokrat sehr wohl miteinander vereinbar sei. Durch Timo Kummer werde gezeigt, „dass die durch die Medien in der jüngsten Zeit aufgebauschten rechtsextremistischen Einzelfälle für die deutsche Armee nicht repräsentativ sind“. Rühe forderte alle Demokraten in der Bundeswehr auf, dem Beispiel von Timo Kummer zu folgen und sich öffentlich zur Demokratie zu bekennen.

Timo Kummer bekannte sich auf der Pressekonferenz zu den in der deutschen Verfassung festgelegten Grundsätzen der Demokratie. Er trete hier vor die Öffentlichkeit, um deutlich zu machen, dass es in der Bundeswehr auch Demokraten gebe, erklärte der 23jährige. Zwar sei er in seiner Einheit der einzige Demokrat, er stehe aber in regelmäßigem Briefkontakt zu Demokraten in anderen Kasernen.

Im Vorfeld seiner öffentlichen Präsentation aufgetauchte Meldungen, der junge Demokrat sei in seiner Kaserne harten Schikanen ausgesetzt gewesen, bezeichnete Timo Kummer als „übertriebene Darstellungen“. Kummer erklärte, es verletze ihn nicht, wenn seine Kameraden sich in sein Bett entleerten oder seine Genitalien quetschten. Timo Kummer dazu wörtlich: „Das ist doch alles nur Spaß!“

Timo Kummer bestätigte, dass die Soldaten seiner Einheit ihn am 20. April letzten Jahres mit den Füßen an einen Kübelwagen gebunden und drei Stunden durchs Gelände geschleift hatten. Der junge Gefreite betonte, obwohl dieser Vorfall für ihn persönlich nicht ganz so angenehm gewesen sei, wolle er ihn aber nicht als eine Missachtung seiner Person durch seine Kameraden bewertet sehen. Seine Kameraden seien am Führergeburtstag immer etwas aufgedreht, dafür müsse man Verständnis haben.

Oberst Claus von Hart erklärte, selbstverständlich sei in der Bundeswehr auch Platz für Demokraten, solange diese den militärischen Auftrag nicht gefährdeten. Von Hart lobte Timo Kummer als einen tüchtigen Soldaten, der mit seinem Mut und Einsatzwillen seinen rechten Kameraden kaum nachstehe. Überdies nötige ihm die Art und Weise, in der der Demokrat Kummer die Verspottungen seiner Kameraden ertrage, ein gewisses Maß an Respekt ab. Der Oberst warnte allerdings davor, zu viele Demokraten in die Armee aufzunehmen, da dieses der Stimmung in der Truppe abträglich sei.

Die Warnung des Oberst aufgreifend erklärte Verteidigungsminister Rühe, natürlich müsse es in der Bundeswehr eine Obergrenze für Demokraten geben. Über ihre genaue Höhe liefen zur Zeit noch Verhandlungen zwischen seinem Ministerium und der Armeeführung. Rühe äußerte seine Zuversicht, dass man sich in dieser Frage einigen werde.


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