Der Herr Berger und seine vier Söhne

Es war einmal im fernen Deutschland, in einem Gebiet, das Ruhrpott genannt wurde, da lebte der Herr Berger. Der Herr Berger war ein berühmter Bauunternehmer, der sein ganzes Leben lang viele, schöne, gute und stabile Bauwerke errichten ließ. Darüber war er alt und müde geworden. Und nun da er alt und müde war, sprach der Herr Berger: „Nun bin ich alt und müde, und ich mag nicht mehr viele, schöne, gute und stabile Bauwerke errichten lassen. Meine Söhne sollen jetzt mein Werk fortführen und viele, schöne, gute und stabile Bauwerke errichten lassen.“

Nun ergab es sich aber, dass der Herr Berger vier Söhne hatte und alle waren ihm gleich lieb, aber doch nur einer konnte das Werk des Herrn Berger fortführen und viele, schöne, gute und stabile Bauwerke errichten lassen. „Was soll ich nur machen?“ fragte sich der Herr Berger. Und dann begab er sich zu seinem Steuerberater und fragte ihn: „Was soll ich nur machen?“ Und der Steuerberater ging hin zu einer Fee und fragte sie: „Was soll der Herr Berger nur machen?“ Und die Fee wusste es auch nicht, aber sie fragte ihren Mann. Und der Mann der Fee ging erst mal in die Kneipe am Eck, denn hier konnte er am besten nachdenken.

Und in der Kneipe am Eck an der Theke traf der Mann der Fee seinen Nachbarn Herbert Koslowski und fragte ihn: „Was soll der Herr Berger nur machen?“ Und Herbert Koslowski hatte auch keine Idee und bestellte noch ein Pils. Und da kam das Pils und es war ein besonderes Pils. Herbert Koslowski wunderte sich gleich über die Farbe, denn normalerweise ist ein Pils pilsfarben, doch dieses war blau. Und als Herbert Koslowski gerade fragen wollte „Warum ist denn das Pils so blau?“, da entdeckte er am Boden des Pilses ein kleines Männchen, das verzweifelt mit den Armen und Beinen ruderte, so als wolle es gegen das Pils kämpfen. Da trank Herbert Koslowski schnell das Pils aus und zurück im Glas blieb nur das kleine Männchen. „Du hast mir das Leben gerettet“, sprach das kleine Männchen im Glas zu Herbert Koslowski, „ohne dich wäre ich im Pils ertrunken. Als Dank dafür sollst du vier Wünsche frei haben.“ – „Au ja“, rief Herbert Koslowski aus, „ich weiß auch schon, was ich will. Da muss ich gar nicht lange überlegen.“ – „So sprich!“, sprach da das kleine Männchen. – „Also“, begann Herbert Koslowski, „ich will noch ein Pils, und dann eine Antwort auf die Frage ‚Was soll der Herr Berger nur machen?‘ und zu Hause im Bett soll statt meiner Alten Claudia Schiffer auf mich warten.“ „Deine Wünsche sind schon erfüllt“, entgegnete das kleine Männchen. Und tatsächlich stand da urplötzlich ein neues Pils vor der Nase von Herbert Koslowski und ihm wurde ebenso plötzlich klar, was der Herr Berger nur machen sollte, und er sagte es dem Mann der Fee, der noch immer neben ihm an der Theke saß. Dann trank Herbert Koslowski das Pils in einem Zug aus und sprang auf, er wollte schnell nach Hause. „Einen Wunsch hast du noch frei“, rief das kleine Männchen ihm nach, doch Herbert Koslowski war schon durch die Tür zur Straße verschwunden und hörte es nicht mehr.

„Vielleicht könnte ich den vierten Wunsch …“ hob der Mann der Fee an, doch das kleine Männchen, das noch immer im Glas saß, unterbrach ihn: „Nein, das giltet nicht!“ „Ich dacht ja nur …“, sagte der Mann der Fee, und es grämte ihn sehr, dass er sich nichts wünschen durfte. Und dann verließ auch er die Kneipe am Eck, um zu seiner Frau, der Fee, zu eilen.

Als der Mann der Fee zu Hause ankam, stand die Fee gerade vor dem Spiegel und kämmte ihr güldenes Haar. „Oh, meine Fee, ich muss dir erzählen …“, hob der Mann der Fee gerade an, als ihn die Fee barsch unterbrach: „Was störst du mich, Mann? Siehst du nicht, ich kämme gerade mein güldenes Haar?“ „Oh, meine Fee, ich sehe, dass du gerade dein güldenes Haar kämmst. Das wundervollste und schönste güldene Haar der ganzen Welt“, sprach der Mann der Fee, „und wenn du mit dem Kämmen deines güldenen Haares fertig bist, meine Fee, dann erlaube mir, dir mitzuteilen, welche Idee ich eingeholt habe darüber, was der Herr Berger nur machen soll.“ Das erregte nun doch die Aufmerksamkeit der Fee und sie legte ihren Kamm beiseite und sagte: „Eben bin ich zu Ende mit dem Kämmen meines güldenen Haares. So sprich!“ Und der Mann der Fee erzählte seiner Frau, der Fee, von der Idee des kleinen Männchens aus dem Pilsglas in der Kneipe am Eck.

Als die Fee die Idee des kleinen Männchens aus dem Pilsglas gehört hatte, schnappte sie sich ihren kostbaren aus Antilopenfell gefertigten Mantel, verschwand schnellen Schrittes aus dem Haus und eilte hin zum Steuerberater, um ihm gleich zu sagen, was der Herr Berger nur machen sollte. Aber sie schellte vergeblich an der Pforte des Steuerberaters, niemand öffnete ihr. Aber die Fee war nicht dumm, sie klingelte bei der Wohnungsnachbarin des Steuerberaters und borgte sich einen Stift und einen Zettel. Mit dem Stift schrieb sie auf den Zettel, was der Herr Berger nur machen sollte. Sie gab dabei aber vor, dass es ihre eigene Idee sei, denn sie wollte vom Steuerberater um der Idee gehuldigt werden. Den Zettel klebte sie dann an die Pforte des Steuerberaters und verschwand. Als der Steuerberater nach Hause kam, fand er den Zettel der Fee vor und er verstand, was der Herr Berger nur machen sollte. Da machte sich der Steuerberater sogleich auf den Weg zu Herrn Berger. Vorher schaute er aber noch bei der Fee vorbei und huldigte ihr.

Der Herr Berger saß gerade im Wohnzimmer vor dem Fernseher und schaute Derrick als der Steuerberater noch ganz außer Atem bei ihm eintraf. „Was störst du mich bei meinem Tun, Steuerberater?“ sprach der Herr Berger mit strenger Stimme, „ich hoffe, du hast einen guten Grund dafür!“ „Oh ja, Herr Berger, den habe ich“, sprach der Steuerberater, „ich weiß nämlich jetzt, was Sie, Herr Berger, mit ihrem Werk und ihren vier Söhnen nur machen sollen.“ „So sprich, Steuerberater!“ sprach der Herr Berger. Und der Steuerberater erzählte ihm das, was die Fee ihm auf den Zettel an seiner Pforte geschrieben hatte, tat aber dabei so als seien das alles seine eigenen Gedanken.

Als der Steuerberater mit seiner Erzählung zu Ende war, ergriff wieder der Herr Berger das Wort. „Dein Vorschlag gefällt mir nicht, Steuerberater. Ich habe eine bessere Idee. Ich werde meine vier Söhne zusammenrufen und ihnen auftragen, dass ein jeder von ihnen ein schönes, gutes, und stabiles Bauwerk errichten lassen soll und derjenige meiner Söhne, der dann das schönste, beste und stabilste Bauwerk errichten lässt, der soll mein Werk fortführen und die anderen Söhne will ich verstoßen, sie sollen gehen in die Ferne, in das Land der Skipetaren und sollen dort viele, gute, schöne und stabile Bauwerke errichten lassen. Und dich, Steuerberater, der du mir einen Vorschlag gemacht hast, der mir nicht gefallen hat, dich werde ich auf eine meiner Baustellen in Beton gießen, so dass du das Fundament für ein schönes, gutes und stabiles Bauwerk bildest und niemals mehr mir unter die Augen treten kannst mit einem schlechten Vorschlag. So soll es geschehen.“

Und gerade als der Herr Berger geendet hatte, da traten schon zwei kräftige Diener heran, packten den Steuerberater und verbrachten ihn zu einer der Baustellen des Herrn Berger. Unterwegs schrie der Steuerberater verzweifelt auf die Diener ein: „Ich bin unschuldig! Der Vorschlag ist nicht von mir! Er ist von der Fee! Lasst mich leben! Die Fee gehört in den Beton!“ Aber die beiden Diener hörten den Steuerberater nicht, denn sie waren taub. Auf der Baustelle angekommen warfen sie den Steuerberater in eine tiefe Baugrube und übergossen ihn mit Beton, so wie es ihnen vom Herrn Berger geheißen war.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Der Bauwettstreit der vier Söhne des Herrn Berger wurde ein voller Erfolg. Jeder der Söhne ließ ein schönes, gutes und stabiles Bauwerk errichten. Der älteste Sohn ließ ein Bürohochhaus bauen, der Zweitälteste eine Autobahnbrücke, der Drittälteste einen Fernsehturm und der jüngste Sohn ließ eine Eisdiele bauen. Der Herr Berger war von allen Bauwerken so begeistert, dass er beschloss keinen seiner Söhne in das Land der Skipetaren zu schicken. Sie sollten nun doch gemeinsam das Werk des Herrn Berger fortführen. Und so konnte sich der Herr Berger endlich zur Ruhe setzen und tat es auch.

Die Fee wurde glücklich mit ihrem Mann bis an das Ende ihrer Tage. Der Steuerberater wurde nicht vermisst und seine Leiche wurde auch niemals gefunden. Herbert Koslowski aus der Kneipe am Eck hatte eine schöne Zeit mit Claudia Schiffer, trennte sich aber nach einem Jahr von ihr, da er sich in seine Nachbarin Anneliese Schmidt verliebte. Einer der beiden tauben Diener des Herrn Berger gewann zwei Millionen Mark im Lotto und quittierte daraufhin seinen Dienst bei der Familie Berger. Der andere Diener arbeitete weiterhin für die Familie Berger und würde auch heute noch tun, wenn er nicht zwischenzeitlich gestorben wäre.

Und was aus dem kleinen Männchen im Pilsglas geworden ist, weiß man nicht.


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