Erzählerisches Unvermögen

Der Kriminalroman „Berliner Aufklärung“ von Thea Dorn

Der erste Roman der Berliner Philosophie-Dozentin Thea Dorn enttäuscht.

Die Geschichte beginnt mit einem bizarren Leichenfund und schon hier offenbaren sich die beschränkten Erzählqualitäten der Autorin, sie will wohl schwarzen Humor produzieren und ergeht sich stattdessen in platten und geschmacklosen Witzeleien über zerstückelte Körper. Danach dümpelt die lesbische Heldin Anja Abakowitz durch eine langweilige Handlung, in der ein weiterer Mord geschieht, in der weltabgewandte Philosophie-Professoren ihre Eitelkeiten pflegen und in der Unsympathlinge durch Kehlkopfschläge, Hodentritte und Peniseinschnitte ausgeschaltet werden. Die Aufklärung der Morde tritt zusehends in den Hintergrund, und als sie dann doch noch stattfindet, interessiert sie irgendwie nicht mehr.

Zur Unfähigkeit der Autorin, einen spannenden Plot zu erzählen, kommt noch das Unvermögen, Romanfiguren glaubhaft zu charakterisieren. Thea Dorns Romanpersonen leben nicht, sondern agieren nur als mit Klischees vollgestopfte Charaktermasken. Die Lesben sind tough, die Schwulen sind tuntig, die Oberfeministin ist bigott, die Professoren sind eitel und selbstgerecht – das ist die erzählerische Welt der Thea Dorn.

Wahrscheinlich soll die Holzschnitt-Handlung beim Leser Lachen erzeugen und sollen die eingefahren Klischees das eine oder andere ironische Grinsen hervorrufen, beim Verfasser dieser Rezension hat Thea Dorn nur ein Gähnen und einen Ärger über die mit diesem Pseudo-Krimi vertane Zeit provoziert. Wem allerdings der abgestandene Humor von Dietrich Schwanitz („Der Campus“) gefällt, der wird auch an diesem Roman seine Freude haben.


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