Spirit

Robert Forster rockt hinterm Kanzleramt

Robert Forster und zwei Drittel seiner Ad-hoc-Band auf dem Wassermusik-Festival in Berlin

Robert Forster und zwei Drittel seiner Ad-hoc-Band auf dem Wassermusik-Festival
(Photo: Roger Weil – Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Ob die Bundeskanzlerin letzten Samstagabend in ihrem Kanzleramt in Berlin noch spät Akten gewälzt hat, man weiß es nicht. Wenn ja, dann hat sie durch ihr bei dem schwülen Wetter sicherlich geöffneten Fenster eine ganz besondere Musik zu Gehör bekommen. Robert Forster ist nämlich mal wieder im Land. Er hat seine deutschen Fans nicht warten lassen bis zur Tour zum neuen Album im nächsten Jahr, sondern hat sich vom Kurator des Wassermusik-Festivals Detlef Diederichsen überreden lassen, mal eben von Australien zu einem Gig nach Berlin zu fliegen. Und jetzt steht er da an diesem lauschigen Samstagabend auf der dachterrassigen Bühne vor dem Haus der Kulturen der Welt (HKW) etwa zweihundert Meter hinterm Kanzleramt und lässt es krachen.

Der bereits erwähnte Detlef Diederichsen hat in den 1990er Jahren zeitweise in der Band von Robert Forster gespielt und wahrscheinlich nur deshalb ist es gelungen, den in den letzten Jahren doch sehr zurückgezogenen Australier zu diesem außergewöhnlichen Konzert zu bewegen. Zum diesjährigen Motto des Wassermusik-Festivals „Der neue Pazifik“ passt der im pazifischen Brisbane lebende Robert Forster natürlich wie der Surfer aufs Brett. Außergewöhnlich ist das Konzert deshalb, weil Robert Forster ohne Band angereist ist und vom Veranstalter drei Musiker gestellt bekommen hat, mit denen er in nur fünf Tagen ein komplettes Set eingeübt hat. Diese Ad-hoc-Band (Ramin Bijan und Michael Mühlhaus von der Berliner Band Die Türen sowie ein unbekannter Schlagzeuger namens Robert) wirkt wie eine langjährige Hausband von Robert Forster, so perfekt läuft das Zusammenspiel.

Und die vier lassen es wirklich krachen, liefern ein für Robert-Forster-Verhältnisse recht rockiges Set ab – mit Stücken aus verschiedenen Phasen des Künstlers, vom 1979er „People Say“ über wenige der vielen Go-Betweens-Meisterstücke aus den 1980er Jahren (wie das herausragende „Draining the Pool for You“), über Solo-Perlen aus den 1990er Jahren bis hin zu den Go-Betweens-Spätwerken aus den 2000er Jahren (hier herausragend: „Too Much of One Thing“ und „Born to a Family“). Das lässigste Lied der Go-Betweens, das Robert Forster wirklich bei keinem Konzert vergisst, wirkt wie maßgeschneidert zum Motto der diesjährigen Wassermusik: „Surfing Magazines“ („Dada dada dada“). Auffallend aber, dass Robert Forster gerade von seinem aktuellsten Album „The Evangelist“ nichts bringt. „The Evangelist“ ist das Werk, in dem Robert Forster den Tod seines Go-Betweens-Partners Grant McLennan verarbeitet hat. Sind ihm die Songs aus diesem Album vielleicht zu traurig für einen schönen Sommerabend in Berlin-Tiergarten?

Die Band entlässt das Auditorium am Schluss des Zugabenteils mit einem schönen „Spring Rain“ in die Nacht. Das Licht und die übliche Musikkonserve werden eingeschaltet. Die Zuhörer auf der Dachterasse sind damit nicht einverstanden. Durch zehnminütiges intensives Klatschen und Johlen gelingt es dann doch noch Robert Forster für eine echte ungeplante Zugabe auf die Bühne zurückzuholen. Das sanfte nur mit akustischer Gitarre begleitete „Darlinghurst Nights“ beschließt diesen Abend dann würdevoll.

Angela Merkel schließt das Bürofenster, telefoniert ihren Fahrer herbei und lässt sich nach Hause fahren – zu Herrn Sauer. Sie wird ihm erzählen: „Heute habe ich was ganz Besonderes erlebt …“

Und hier die vollständige Setlist:

01. Baby Stones (akustisch)
02. Spirit (akustisch)
03. I Can Do
04. Surfing Magazines
05. German Farmhouse
06. I’ve Been Looking for Somebody
07. I’m Alright
08. Headful of Steam
09. 121
10. Rock ’n‘ Roll Friend
11. People Say
12. Draining the Pool for You
13. Heart Out to Tender
14. Here Comes a City

(geplante Zugaben)
15. Dive for Your Memory (akustisch)
16. Too Much of One Thing
17. Born to a Family
18. Spring Rain

(ungeplante Zugabe)
19. Darlinghurst Nights (akustisch)

Siehe auch:
Magic in Here


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