Stefan Laurin findet einen neuen Nazivergleich

Das Umweltbundesamt im Visier des Nazivergleichers

Das Umweltbundesamt im Visier des Nazivergleichers
(Photo: PaGn – Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Der Rechtsanwalt Mike Godwin stellte einmal folgende Behauptung auf und nannte sie Godwin’s Law: „As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.“ (dt. „Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder mit Hitler dem Wert eins an.“) (Quelle: Meme, Counter-meme in: Wired Magazine, Oktober 1994)

Ein erfahrener Anwender von Nazivergleichen ist der Journalist Stefan Laurin. In seinem Blog ruhrbarone tituliert der Kettenraucher aus dem Ruhrgebiet die nordrhein-westfälische Gesundheits-ministerin Barbara Steffens regelmäßig als „Volkserzieherin“, weil diese einen stärkeren Nichtraucherschutz in ihrem Bundesland durchgesetzt hat. (siehe: „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!“ in diesem Blog) Zugebenermaßen ist der Begriff „Volkserziehung“ kein originärer Nazibegriff, sondern stammt sogar aus der Arbeiterbewegung – doch „Volkserziehung“ ist uns heute hauptsächlich in der nationalsozialistischen Konnotation präsent. Laurin weiß das und nutzt den Begriff zu einer geschickten, weil nicht-justiziablen Diffamierung der Grünen-Politikerin Steffens.

Und jetzt macht Stefan Laurin einen neuen Nazivergleich auf. Diesmal hat er das Umweltbundesamt im Visier, das die Broschüre „Und sie erwärmt sich doch. Was steht hinter der Debatte um den Klimawandel“ herausgegeben hat. Laurin stört sich daran, dass in der Broschüre die sogenannten „Klimaskeptiker“ Günter Ederer, Dirk Maxeiner und Michael Miersch namentlich benannt werden. Laurin sieht seine drei Journalisten-Kollegen an einen staatlichen Pranger gestellt und hält den Verfassern der Broschüre vor: „Journalisten werden nicht als unabhängige Beobachter und Kritiker gesehen, ihre Funktion in und für die Gesellschaft nicht prinzipiell geachtet, sondern sie haben eine Funktion: Sind sie ‚Pioniere‘, Verbündete und ein Teil der ‚Großen Transformation‘, sind sie praktisch – wenn nicht zählen sie zu den Gegnern und Gegner müssen nun einmal bekämpft werden.“ (Quelle: Die Journalistenschelte der „Reichsumweltkammer“ war kein Ausrutscher im Blog ruhrbarone)

Laurins Kritik an der in seinen Augen obrigkeitsstaatlichen Bevormundung der Journalisten kulminiert in der Überschrift „Die Journalistenschelte der ‚Reichsumweltkammer‘ war kein Ausrutscher“. Da haben wir also den Nazivergleich: Umweltbundesamt gleich „Reichsumweltkammer“ (angelehnt an die Goebbelsche „Reichskulturkammer“) – darunter macht’s der Laurin nicht. (Warum Laurin seinen offensichtlich von ihm selbst ausgedachten Begriff „Reichsumweltkammer“ in Anführung setzt, als sei er ein Zitat, das bleibt allerdings unklar.)

Schade, dass Stefan Laurin sich seine durchaus berechtigte Kritik an der Hybris der Klimaforscher durch solche albernen Nazivergleiche selbst zerschießt. Hat er denn nichts aus der Geschichte der Nazivergleiche gelernt? Die gehen immer nach hinten los. Die mit einem Nazivergleich Kritisierten können sich darüber empören und müssen sich nicht mehr mit den sachlichen Aspekten der Kritik auseinandersetzen. Und über eine Inflation von Nazivergleichen freuen sich vor allem – die wirklichen Nazis.

Siehe auch:
„Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!“

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7 Kommentare zu Stefan Laurin findet einen neuen Nazivergleich

  1. Pingback: Ruhrbaron entgleist wegen Bundesumweltamt – Nazivergleich | LinksDiagonal

  2. Heinz schreibt:

    Oh, mein Gott, was für eine gequirlte Scheiße ist das denn hier?

  3. Roger Weil schreibt:

    Lieber Heinz, deinen Kommentar kann man auch nicht gerade als appetitlich bezeichnen. Etwas argumentatives Aroma würde deiner Kritik guttun.

  4. Luke schreibt:

    [Blockierter Kommentar]

  5. Sebastian schreibt:

    Von Meinungsfreiheit hält der Typ auch nichts…sowjetische und kommunistische Verbrechen hält er für einen Angriff auf sich selbst…sagt viel über ihn aus.

  6. Roger Weil schreibt:

    Lieber Sebastian, die Bezüglichkeit deiner Kritik an Stefan Laurin verstehe ich nicht. Der von mir kritisierten Laurin-Text kann von dir nicht gemeint sein, denn darin schreibt Laurin nichts über „sowjetische und kommunistische Verbrechen“. Vielleicht kannst du hier nochmal etwas zur Klärung beitragen.

  7. hanns schreibt:

    Tja, das ist Laurins argumentatives Grundmuster. Auch die Linke vergleicht er gerne und laufend mit den Nazis. Vielleicht kann er nichts anderes.

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