Einer räumt auf

: „Ach, hallo Herr Busch, kommen Sie doch herein. Das ist ja nett, dass Sie uns mal besuchen kommen.“

: „Ja, wissen Sie, ich wohne doch schon ziemlich lange hier in der Straße. Und ich habe das größte Haus hier. Da ist man doch irgendwie verantwortlich für das Schicksal seiner Nachbarn.“

: „Das ist schön, wie Sie das sagen. Aber ich kann Ihnen versichern, Herr Busch, wir sind auch sehr froh darüber, dass es Sie in unserer Straße gibt.“

: „Ja, ja. Doch leider, Verehrteste, ist nicht alles schön in unserer Straße. Sie kennen doch auch Herrn Massad?“

: „Herr Massad. Das ist doch der Mann, der mit seiner Familie da hinten rechts am Ende der Straße in dem Holzhaus wohnt?“

: „Ja, genau den meine ich.“

: „Was ist denn mit Herrn Massad. Ist mit ihm irgendetwas nicht in Ordnung?“

: „Er schlägt seine Kinder.“

: „Nein!?“

: „Doch. Ich habe Beweise dafür.“

: „Das gibt’s doch nicht.“

: „Doch, das gibt es. Und was noch viel schlimmer ist: er hat Rattengift in seinem Haus.“

: „Rattengift? Woher wollen Sie das denn wissen?“

: „Ich habe Beweise dafür.“

: „Was sind das denn für Beweise?“

: „Darüber kann ich nicht sprechen. Die sind geheim.“

: „Hm. Ich verstehe.“

: „Und ich finde, gnädige Frau, wir müssen jetzt etwas gegen den Herrn Massad und sein Rattengift unternehmen.“

: „Ja, da bin ich auch besorgt, Herr Busch. Stellen Sie sich mal vor, er gibt das Rattengift seinen Kindern zu essen.“

: „Ja, aber das wäre gar nicht mal so schlimm. Viel schlimmer ist, er kann es auch Ihren Kindern und meinen Kindern zu essen geben.“

: „Meinen Sie wirklich, das würde er tun?“

: „Klar, würde er das, wenn wir ihn nicht daran hindern. Ich sage Ihnen, dem Herrn Massad ist alles zuzutrauen. Er hat bereits Pläne gemacht, alle Kinder in unserer Straße zu vergiften. Ich habe Beweise dafür.“

: „Geheime Beweise?“

: „Ja, die sind auch geheim. Aber sie sind da.“

: „Ich glaube Ihnen das, Herr Busch. Aber, sagen Sie, haben Sie in Ihrem Keller nicht auch Rattengift?“

: „Ich in meinem Keller Rattengift? Wie kommen Sie denn darauf, meine Verehrte?“

: „Ihre Frau hat es letzte Woche beim Metzger erzählt.“

: „Ja, und. Ich habe Rattengift in meinem Keller. Und das brauche ich auch.“

: „Wofür brauchen Sie das denn?“

: „Meine liebe Frau, ich bin nicht zu Ihrem Haus gekommen, um über meinen Keller zu diskutieren. Sondern ich bin hier, damit Sie das hier unterschreiben.“

: „Ich soll das unterschreiben? Was ist das denn?“

: „Das ist eine Erklärung. Sie erklären sich durch Ihre Unterschrift damit einverstanden, dass ich gegen Herrn Massad vorgehe.“

: „Ich weiß nicht, ob ich das unterschreiben kann. Ich bin zwar auch keine große Freundin von Herrn Massad. Aber man muss doch versuchen, miteinander auszukommen. – Ich weiß, Herr Busch, Sie kommen mit Herrn Massad nicht so gut aus. Sie hatten immer Streit mit ihm, um die Kirschbäume in seinem Garten.“

: „Darum geht es nicht, liebe Nachbarin. Es geht darum, dass Herr Massad eine Gefahr für alle anständigen Leute in unserer Straße ist. – Also, jetzt unterschreiben Sie endlich! Sie möchten doch auch, dass ich Ihnen im Sommer beim Umbau Ihres Anwesens unter die Arme greife. Und ein paar Kirschen werden auch für Sie und Ihre Familie abfallen.“

: „Also, gut. Ich bin überzeugt. Ich unterschreibe.“

: „Bitte unterschreiben Sie hier!“

: „Okay.“

: „Ich danke Ihnen, Verehrteste!“

: „Ach, man tut ja, was man tun muss. – Aber was mich jetzt doch noch interessiert, was wollen Sie denn jetzt genau gegen Herrn Massad unternehmen?“

: „Ich werde ihn vergiften. Und seine Familie gleich mit.“

: „Also, ich weiß nicht …“

: „Machen Sie sich da keine Sorgen. Ich mache das so, dass die Kirschbäume auf dem Grundstück von Herrn Massad nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Sie selbst, Frau Nachbarin, sind völlig außer Gefahr. Sie wohnen weit genug weg.“

: „Aber trotzdem, ich …“

: „Stopp, keine Diskussion mehr, liebe Frau! Unterschrieben ist unterschrieben und jetzt ist Ruhe!“


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