Leben im Konjunktiv

Der Roman „Wäldchestag“ von Andreas Maier

Der Ort der Handlung sei ein Dorf in der Wetterau, aber die Geschichte könne auch in jeder anderen ländlichen Region in Deutschland spielen. Wer einmal ein paar Jahre auf dem Dorf verbracht habe, wisse, dass hier ein anderes Leben ablaufe als in den städtischen Zentren. Aus Mangel an Zerstreuungsmöglichkeiten werde für die meisten Dorfbewohner das Leben ihrer Nachbarn zum Mittelpunkt des eigenen Lebens. Die Lieb-, Erb- und Leidenschaften der dörflichen Mitbewohner würden gegenseitig beobachtet, zusammengetragen und erörtert – am liebsten hinter dem Rücken der Betroffenen unter Vermengung von Tatsachen, Vermutungen und Lügen. In solch einem Milieu spiele der vorliegende Roman. Und da der Wahrheitsgrad der dörflichen Geschichten äußerst vage sei, wähle Andreas Maier den einzigen hierfür mögliche Erzählmodus: den Konjunktiv. Die Geschichte, die uns Andreas Maier erzähle, beginne am Tag der Beerdigung eines dörflichen Außenseiters namens Adomeit und ende am Tag der Testamentsverkündung. Letzteres sei der Wäldchestag, der Dienstag nach Pfingsten, der in Hessen für gewöhnlich dazu genutzt werde, um zu grillen und nicht um Testamente zu diskutieren. Aber wenn es um den alten Adomeit gehe, bei dem man nicht genau wisse, wovon er gelebt habe, bei dem das Verhältnis zu seiner Haushälterin ungeklärt sei, der sich mit seiner Schwester überworfen habe und auch mit seinem Sohn im Streit liege, dessen Verwandtschaft voller Sorge um die Erbschaft im Dorf herumziehe, auf dessen bezaubernder Nichte ein junger Mann des Dorfes ein Auge geworfen habe, und der auch noch diese beiden merkwürdigen Typen hinterlasse, die als einzige im Dorf näheren Kontakt zu ihm unterhalten hätten, dann sei das wichtiger als jedes Grillfest. Und alles sei so wunderbar verworren, überraschend spannend und extrem amüsant erzählt. Doch was sei die Wahrheit, was seien bloß Gerüchte, was seien einfach Lügen? Genaues wisse man nicht. Nur der Anlass für die Erzählung, den der Leser respektive die Leserin erst im letzten Satz erfahre und der hier natürlich nicht verraten werden solle, der sei gewiss, sagt man.


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